Montag, 19. Februar 2007

Beziehungskisten II

Ein Abend, so entsetzlich, dass ich ihn am liebsten streichen würde. So emotional, dass... keine Ahnung.

Ich weiß überhaupt nichts mehr.

Stundenlange Gespräche über die Situation.
Eine Bestandsaufnahme, die klar macht, dass er es auf jeden Fall nochmal mit seiner großen Liebe versuchen wird, dass er sie nicht aufgeben wird, dass er mir nichts vormachen will.
Und trotzdem kommt er nicht los von mir. Begleitet mich durch die Nacht, wir reden, schweigen. Schauen uns verzweifelt an.
Er will zu mir.
"Ich will dich nicht alleine lassen, will bei dir bleiben."
Ich antworte tief: "Wir können es als Übung betrachten für das, was uns in ein paar Monaten ohnehin blüht."
Ich will ihn bei mir haben.
Wir sitzen auf dem Bett. Reden. Schweigen. Versuchen, zu verstehen, was mit uns passiert. Versuchen, eine Lösung zu finden, die nicht weh tut.

Ich verliere die Fassung, falle von einer Emotion in die nächste, von einer Rolle in die andere. Ich versuche, mich selbst zu belügen, mime die Selbstlose. Ich versuche, rational zu bleiben, vernünftig.

"Wie schrecklich ist es, dass ich dich in eine Situation zwinge, in der du dich nicht ganz öffnen kannst und ich mich mich ebenso", sagt er.
"Es wäre sicher gescheiter, wenn ich jetzt gehe. Aber ich kann nicht. Ich will nicht."
"Ich weiß nicht, ob ich jetzt im Moment einfach nur egoistisch bin. Oder so offen wie nie."

Wir drehen uns im Kreis.
Nach langem Ringen ergeben wir uns.
"Ich habe Angst, eine Entscheidung zu treffen", sagt er.
"Im Grunde hast du dich doch schon längst entschieden", antworte ich. Abgedroschen. Absolut nicht stimmig. Ich bade in der Opferrolle, das ist unfair. Und macht es ihm leicht.
"Vielleicht habe ich das..."
"Ja."
"Ich werde das, was ich mit ihr hatte, nicht aufgeben."
"Gut."

Die Form wäre somit gewahrt. Er bleibt bei seinen Prinzipien, ich in meiner Märtyrerrolle. Keine neuen Wege. Safe side of life.
Wir schweigen. Schauen uns an. Schütteln die Köpfe.
Es ist nichts mehr zu sagen. Stundenlang haben wir unsere Gedanken ausgebreitet. Leere.

"Kann ich heute Nacht dennoch bei dir bleiben?"
Ich wünschte, ich wäre so geistesgegenwärtig und würde dich genau jetzt vor die Tür setzen, ist meine Antwort. Aber ich kann nicht. Ich will ihn bei mir haben.
Auf meine Frage, warum er bleiben will folgt ein langes Zögern, dann: Weil mir deine Nähe so gut tut.
Ich bin verzweifelt. Ein Nähe-Distanz-Krieg aus dem Lehrbuch.
Also legen wir uns schlafen. Weil ich glücklich bin, dass er bleibt.
Wir schweigen.
Was er fühlt: Es fühlt sich gut an, bei mir zu sein.
Er greift meine Hand, wir halten uns im Dunkeln.
"Ich bin geblieben", flüstert er irgendwann.

Wir halten uns. Streicheln uns. Ganz langsam. Ganz behutsam. Halten immer wieder inne, überprüfen, ob wir weitergehen sollen. Gehen weiter. Es fühlt sich so richtig an. Wir zelebrieren den Akt fast wie etwas Heiliges.
"Hör mir zu", flüstere ich, bevor wir miteinander schlafen. "Es ist nicht schlimm, wenn wir jetzt aufhören. Aber es soll kein Missverständnis geben: Wenn wir jetzt miteinander schlafen, in dieser Situation, dann nur, wenn es uns etwas bedeutet. Wenn es um mehr ist als reine Lust."
Er hält inne. Küsst mich. Blickt mir in die Augen. "Ja", sagt er.
Wir halten uns mit unseren Blicken fest, küssen uns, halten uns eng umschlungen, ganz langsam machen wir Liebe.
Es ist unbeschreiblich schön.
"Es ist so viel mehr als das", sagt er. Küsst mich. Hält mich fest.

Also geht es weiter.

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